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Wer zu den bedauernswerten Zeitgenossen zählt, die Knoblauch nicht
ertragen können, sollte als erstes Thailand von der Liste der möglichen
Urlaubsziele streichen. Die Knoblauchmengen, die man dort auf den Märkten
findet, dienen keineswegs der Dekoration. So entgeht dem Knoblauchfeind
nicht nur ein wunderbares Land, sondern auch wunderbare kulinarische Köstlichkeiten.
Davon wird später noch die Rede sein.
Ansonsten gilt: Rezepte mit Knoblauch zu beschreiben gleicht dem Versuch,
Sandkörner in der Wüste zählen zu wollen. Deshalb
belasse ich es bei einigen wenigen Anregungen, eine Art Spaziergang durch
das Land der praktischen Knoblauchverwendung.
Gebackener Knoblauch
Kann man „pur“ steigern? Wenn ja, dann ist gebackener Knoblauch
vielleicht die „pureste“ Variante des Knoblauchgenusses: Knoblauchknollen
mit Olivenöl beträufeln, in Alufolie einwickeln – wer
mag, gibt Kräuter dazu – und bei etwa 200 Grad mindestens eine
dreiviertel Stunde im Backofen garen. Heraus kommt ein sanfter Knoblauch
mit nussigem Geschmack, der zusammen mit Brot und Olivenöl eine exzellente
Vorspeise abgibt. Nebenbei bemerkt: Diese in den USA sich ausbreitende
Zubereitungsform gehört zu den wenigen Koch-Highlights, die ich im
Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten kennenlernen durfte…
Knoblauch für die Seele
Versuchen Sie auch unbedingt Knoblauchsuppe.
Nein, rümpfen Sie bitte nicht die Nase, denn die ist eines dieser
archaisch guten Volksgerichte, die problemlos die Zeiten überdauert
haben, an die man sich erinnert und auf die man immer wieder zurückgreifen
kann, wenn der Körper Stärkung und die Seele Trost braucht.
Tzatziki
Das ist die berühmt-berüchtigte griechische Joghurt-Knoblauch-Creme,
so heiß begehrt wie tief verachtet. Tzatziki
passt ebenso zu Zucchinischeiben, die in Olivenöl gebraten wurden,
wie zu türkischen Böreks. Für Tzatziki braucht man außer
Gurke und einem guten, fettreichen Joghurt nur Knoblauch, Salz, Pfeffer
und ein aromatisches Olivenöl zur Abrundung des Geschmacks.
Aïoli
Die südfranzösische Version einer würzigen Knoblauchmayonnaise
heißt Aïoli. Sie strotzt vor Knoblauch und erfordert zwingend
Olivenöl. Eigelb wird mit reichlich Knoblauch gemixt, dann kommt
Olivenöl und etwas Zitronensaft dazu. Eine klassische Aïoli-Variante
verzichtet sogar auf Eigelb, ihr reichen viel Knoblauch und Olivenöl.
Aïoli braucht man für südfranzösische Fischsuppe,
für Meeresfrüchte, für Artischocken oder für rohes
Gemüse in vielfältigen Sorten, französisch „Crudités“.
Rouille
Zu südfranzösisch inspirierten Fischsuppen ist Rouille eine
sehr feine Zutat. Rouille ist sehr einfach herstellen, wenn man eine im
Ofen gebackene rote Paprikaschote parat hat. Die abgezogene Schote
wird im Mixer oder mit dem Pürierstab mit reichlich Knoblauch, mindestens
zwei roten Chilischoten oder ausreichend Cayennepfeffer und Meersalz
püriert. Dazu kommt nun langsam unter ständigem Weiterrühren
ein gutes Olivenöl, bis eine dickliche Creme entsteht. Diese darf
ruhig scharf sein.
Die südamerikanische Entsprechung dieser südeuropäischen
Knoblauchcremes findet sich in der Guacamole: Eine aromatische Creme aus
Avocado, Knoblauch, Koriander und Zitrone.
Salat mit Knoblauch, na klar!
Griechischer Bauernsalat ist für viele der Prototyp des Salats,
der ohne Knoblauch nicht gelingen kann. Ich sehe das genau so. Doch
Salat mit Knoblauch lässt sich variieren. In ziemlich kleine Stücke
geschnittene Tomaten, feine Röllchen von Frühlingszwiebeln,
reichlich Knoblauch in sehr dünnen Scheiben, dazu ebenso reichlich
grüne oder rote Chilischoten, entkernt, auch in dünnen Scheiben,
ferner etwas Aceto
balsamico, Salz, Pfeffer und ein gutes Olivenöl bilden die vielseitig
einsetzbare Grundlage. Basilikum
oder glatte Petersilie runden alles ab. Die daraus entstandene Mischung
isst man auf geröstetem Weißbrot, bestreut es mit frisch geraspeltem
Parmesan und nennt es dann Bruschetta (sprich: Brusketta).
Das Tomatengemisch lässt sich auch zu Spaghetti mit Knoblauch und
Öl oder ganz einfach zu Spaghetti pur essen
Spaghetti mit Knoblauch, Olivenöl und Peperoni...
...sind ein sehr einfaches, aber dennoch sehr delikates Gericht. Knoblauch
und getrocknete Peperoni werden in Olivenöl bei geringer Hitze angeschwitzt.
Mit viel glatter Petersilie und den al dente gekochten Spaghetti vermengen
und bei Tisch mit Parmesan veredeln.
Schafskäse, ...
...Kräuter und Knoblauch sind ein gutes Team. Mit einer Kräuter-Öl-Knoblauch-Mischung
überzogen werden Schafskäsestückchen zu einer jener pikanten
Köstlichkeiten, die in die Liste der verbotenen, weil abhängig
machenden Substanzen aufgenommen werden müssten.
Möhren...
...und Knoblauch: schwer vorstellbar? Nun, dann mutig ans Werk und einer
Belohnung sicher. Möhren
mit Olivenöl, Salz und Zucker andünsten und bei geschlossenem
Deckel noch etwa 8 bis 10 Minuten bei sehr geringer Hitze garen lassen.
Dann kommt eine ganze Menge Knoblauch dazu, den man in sehr dünne
Scheibchen geschnitten hat, außerdem Zesten einer unbehandelten
Zitrone und Kräuter, insbesondere Basilikum, Fenchel oder Petersilie.
Knoblauch-Huhn
Huhn – Genusshuhn – Griechisches
Huhn. So steigere ich „Hühnergericht“. Und es macht
mir überhaupt nichts aus, einmal mehr auf dieses Gericht aufmerksam
zu machen, das ohne Knoblauch einfach nicht vorstellbar ist. Wer sich
mit der Vorstellung anfreunden kann, Knoblauch und Kräuter
mit Hähnchen zu kombinieren, hat natürlich weitere Möglichkeiten:
In den gesalzenen Hühnerbauch kommen Kräuter, einige Knoblauchzehen
und ein großzügig bemessenes Stück Butter. Könner
lösen die Haut des Vogels vorsichtig vom Fleisch. Zwischen Haut und
Fleisch sorgfältig und großzügig Kräuter-Knoblauch-Butter
platzieren. Am besten gelingt ein saftiges Kräuter-Knoblauch-Hähnchen
in einem sorgfältig gewässerten Römertopf.
Knoblauch-Rippchen
Auf dem Rost gebratene Knoblauch-Rippchen, mit Honig glaciert, sind ein
wunderbar rustikales Gericht, aromastrotzend und nur mit den Händen
zu essen. Dazu werden die Rippchen mindestens einen Tag lang in einer
Marinade aus Sojasauce und Sherry, aromatisiert mit Knoblauch, Ingwer
und Zimt, eingelegt.
Butter mit Knoblauch
Obwohl keinesfalls klassisch, passt Sauce Hollandaise mit Knoblauch sehr
gut zu Spargel. Auch
Sauce béarnaise lässt sich mit Knoblauch aromatisieren. Eine
aparte Variation der Sauce béarnaise erhält man, wenn man
außer Knoblauch noch etwas Orangensaft dazugibt.
Ebenso populär wie empfehlenswert sind Buttermischungen mit Kräutern
und Knoblauch. Baguette wird in regelmäßigen Abständen
quer ein- aber nicht durchgeschnitten. Die Einschnitte großzügig
mit Knoblauchbutter füllen. Das Brot packt man in Alufolie, und im
Ofen wird daraus ein leckeres Knoblauchbrot.
Senf-Knoblauch-Butter veredelt geröstetes Brot und ist besonders
empfehlenswert zu Steaks. Dazu weiche Butter mit Salz, Pfeffer, zerdrücktem
Knoblauch und grobkörnigem Senf vermischen. Ein wenig getrockneter
Ingwer fügt eine sehr interessante Geschmacksnuance hinzu.
Kartoffeln und Knoblauch
Aus den im Ofen gebackenen Knoblauch-Knollen und gekochten Kartoffeln
lässt sich mit Sahne oder Milch und etwas Butter ein aromatisches
Kartoffelpüree herstellen. Das passt zu Steaks, aber auch zu Schmorgerichten.
Soll es schneller gehen, versucht man vielleicht eine Knoblauchsauce,
die Barbara Rütting beschreibt: Dazu werden reichlich Knoblauchzehen
in Butter angedünstet, mit etwas Milch aufgefüllt und weichgekocht.
Mit Salz und Pfeffer würzen. Diese Sauce kann mit Stampfkartoffeln
verrührt oder einfach darüber gegossen werden.
Wer Pommes frites in Olivenöl frittiert, sollte in der letzten Phase
etwas Butter und einige Knoblauchzehen dazu geben. Darin werden die halbfertigen
„Fritten“ hellbraun oder kross gebraten – ganz nach
Belieben. Butter und Knoblauch verbessern den Geschmack und fördern
die appetitliche Bräunung der Kartoffelstifte.
Heilsame Hühnersuppe
Einen
Extra-Tipp habe ich noch für diejenigen, die sich mit Erkältungskrankheiten
herumschlagen. Dabei geht nicht um Parapsychologie, sondern um die heilenden
Kräfte von Hühnersuppe, die wissenschaftlich längst nachgewiesen
sind. Verstärken lässt sich der Heileffekt dieser Suppe durch
Zutaten, deren antibakterielle Wirkung ebenfalls unstrittig ist. Ein von
hartnäckiger Erkältung oder Husten geplagter Mensch sollte es
unbedingt einmal ausprobieren:
Man braucht dazu etwa einen Liter kräftiger Hühnerbrühe,
selbst gekocht natürlich. Dazu kommen mindestens 20 Knoblauchzehen,
zwei Zwiebeln, ein gutes Stück frischer Ingwer, eine oder besser
mehrere Chilischoten (falls man sie erträgt), etwas Curry, ein Bund
Petersilie, nach Wunsch auch noch andere Kräuter oder Gewürze
wie Pfeffer, Koriander, Thymian, Minze oder Basilikum oder auch einige
Tomaten. Alles zusammen mindestens 20 Minuten sanft köcheln (dabei
immer mal wieder den aufsteigenden Dampf inhalieren) und abseihen oder
mit dem Stabmixer pürieren. Die entstandene heilkräftige Suppe
mehrfach am Tag heiß in kleinen Portionen verzehren. Ich behaupte:
Dem widersteht auf Dauer keine Erkältung.
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